Spitz-findig-keit

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer neuen Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ werden wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen zitieren, dabei auch klassische Denkerinnen und Denker nicht verschonen.

Um Denkanstösse zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeit #13

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Aber heute spielen wir lieber mit Wörtern und Bällen herum und rahmen damit Gemälde wohlklingender Namen ein.

1. Spitz-findig-keit

In der NZZ vom 15.6.2021 (hinter Schranke) berichtet Josef Joffe, der internationale Politik und Ideengeschichte auf dem Washington-Campus der Johns-Hopkins-Universität lehrt (von deren Hauptcampus in Baltimore übrigens die weltweiten Zahlen zur Pandemie stammen), darüber, dass sich das Unter(gleich Repräsentanten)haus eine neue Sprachregelung verordnet habe: „Alles muss genderneutral sein. Das heisst: weg mit ‚Vater‘, ‚Mutter‘, ‚Tochter‘ und nur noch ‚Eltern‘, ‚Kind‘ und ‚Geschwister‘. ‚Himself‘ und ‚herself‘ werden ersetzt durch ‚themself‘, was die englische Grammatik im Dienste der gerechten Sprache meuchelt.“

Und es geht noch weiter: „Es klingt wie ein (schlechter) Witz, ist aber wahr. Das Gebet zur Eröffnung des 117. Kongresses endete mit ‚amen and a-women‘. Hier steigert sich Woke zum Wahn. Denn ‚amen‘ hat nichts mit ‚Männer‘ zu tun, sondern stammt aus dem Hebräischen: ‚So soll es sein.‘ Es ist eine Bekräftigungsformel, die gendergerecht in allen abrahamitischen Religionen gilt.“ So Josef Joffe, Jahrgang 1944, der übrigens auch Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“ ist.

Reverend Emanuel Cleaver von der Methodistischen Kirche, der das Gebet am 3. Januar 2021 im Repräsentantenhaus sprach (siehe obigen Ausschnitt; das Ganze als pdf), löste mit seiner Schlußformel in der Medienlandschaft ein gewaltiges, wenn auch kurzes „Beben“ aus. Ein Wortspiel wie er sagte, um auf die allererste Pastorin im Repräsentantenhaus seit 240 Jahren hinzuweisen (er selbst, gleicher Jahrgang wie Joffe, wurde 2005 gewählt) oder doch hintergründig – jedenfalls ist diese Gebets-Endung einmalig geblieben.

2. Spitz-findig-keit

„Bitte nicht anfassen!“ Unter diesem Titel wurden zehn alte Kunst-Gemälde berühmter Maler auf ARTE in 2020 wunderbar erklärt und nachgestellt. Natürlich im BeauxArts Magazin – 10 mal 4 Minuten plus einem Schuss Erotik. Die erste Folge über „Venus vor dem Spiegel“ von Diego Velázquez ist hier zu sehen. Unter anderem Manet, Vermeer, Tizian, Caravaggio und Michelangelo folgen.

„An alltäglichen Orten wie einem Waschsaloon oder einem Fußballplatz geht die etwas andere Geschichtslehrerin Hortense Meisterwerken der klassischen europäischen Malerei auf den Grund – und enthüllt die ihnen innewohnende Erotik. Achtung, große Meister, hier kommt alles unter die Lupe! So wird der Alltag zum lebenden Museum, und die Vergangenheit lebt in den Körper(n) von heute wieder auf.“

Achtung, kann auch süchtig machen – zum Glück verfügbar bis 18.1.2024.

3. Spitz-findig-keit

Anstoß zum Nachdenken, gerade in Zeiten einer Fußball-Europameisterschaft, bei der Jogi Löws „Mannschaft“ gegen Frankreich den Ball nur ins eigene Rechteck zu bugsieren vermochte. Aber auch die Portugiesen können „Eigentor“, gleich doppelt sogar – und tragen damit zum ersten deutschen Sieg im Turnier kräftig bei.

Beim Fußballspiel handelt es sich im Grunde genommen um die einzige, wirklich gelungene „Quadratur des Kreises“, weil das Runde ja ins Eckige muss (ein Spruch der von Lothar Matthäus sein könnte – es aber nicht ist; der unstrittige zweite Teil wird Sepp Herberger zugeschrieben). Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob dies per Kopfball, mit einem Volleyschuss, mit dem Hacken oder dem Schuh-spitz geschieht. Nur die Hände der gegnerischen Mannschaft dürfen – anders als beim Handball – nicht mit im Spiel sein. Und wie gesehen, auch Eigentore sind erlaubt – wenngleich es den Trainer, und nicht nur den, tierisch ärgert, vor allem wenn sie spielentscheidend sind.

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#PreppoKompakt

Aus und Amen! Einen schönen sonnigen Sonntag noch.

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