Fasten mit Sinn: „Jungzelleneffekt“ von Slaven Stekovic

Zur Forschergruppe der Universität Graz in Österreich, über die die NZZ am 27.8.2019 und wir hier berichtet haben, gehört Slaven Stekovic, ein 30 Jahre junger Biochemiker. Er arbeitet am Institut für Molekulare Biowissenschaften, sein Chef, Mentor und Doktorvater ist Prof. Frank Madeo. Schon in 2018 hat Stekovic das Buch „Der Jungzelleneffekt – Wie wir die Regenerationskraft unseres Organismus aktivieren“ veröffentlicht. Darin beschreibt er auf erfrischende Art und Weise was in unserem Körper passiert, wenn wir Intervall-Fasten praktizieren. Erfrischend deshalb, weil er – auf der Grundlage profunden Wissens – uns in klar verständlicher Sprache teilhaben lässt, auch an den am Institut neu gewonnenen Erkenntnissen zu den Auswirkungen des Fastens auf den Körper und das Altern. So beschreibt er beispielsweise den Vorgang der „Autophagie“, bei dem sich die Zellen von überflüssigen Stoffen und unbrauchbaren Zellteilen befreien, eingängig als „Müllabfuhr“, die unter anderem Demenz und Krebs vorbeuge.

Prägung durch die Familie

Nachdem wir den (Doktor-)Vater schon kennengelernt haben, auch etwas zur leiblichen Verwandtschaft von Slaven: Seine Urgroßmutter kam auf 110 Lebensjahre, wie auch der ganze Zweig mütterlicherseits sehr alt wurde und dabei ziemlich gesund blieb. Als Ärztin hat ihm seine Mutter eher davon abgeraten, Arzt zu werden. Und er wollte im Umfeld für Menschen arbeiten, nur nicht unmittelbar an ihnen. Sein Interesse an der Molekularbiologie, also wie die Zelle funktioniert, und seine Tante, Zellbiologin in Kroatien, brachten den Durchbruch bei seiner Studien- und Berufswahl.

Uroma Matusa kommt aus der Gegend von Split, nicht direkt vom Meer, wo die Menschen von dem Wenigen leben mussten, das der Boden hergab und sich dadurch „unbewusst bewusst“ ernährten. Es gab zudem die traditionelle Rollen(ver)teilung, bei der die Frauen die Messe besuchten und die Fastenzeit ernst nahmen, die übrigens für alle Weltreligionen einen hohen Stellenwert besitzt. Die Urgroßmutter wurde damit zu einer Inspirationsquelle für den Urenkel in vierter Generation.

Erkenntnisse rund um den Körper und das Altern

Gekonnt nimmt uns Slaven mit auf den Weg der Erkenntnis. Dazu gehören ungeheuer gut nachvollziehbare Plädoyers für neue Sichtweisen und Begrifflichkeiten, wie die Alters- durch Langlebigkeitsforschung (S. 17) und die Lebensdauer durch Gesundheitsspanne (S. 31) zu ersetzen.

Er bringt uns die drei Hauptsignale, die den Körper von außen steuern/kontrollieren näher: hell und dunkel, kalt und warm, fasten und (fr)essen (S. 46). Und erklärt, dass diese nicht unabhängig voneinander sind, sondern als Schnittmenge die sogenannten Clock-Gene aufweisen. Er geht darüber hinaus ein auf Mitochondrien, kleinen Rebellen in den Zellen (S. 49), und Antioxidanzien, den Polizeitruppen, die für Ordnung in den Zellen sorgen (S. 51).

Wir erfahren, welche Fähigkeiten das Fasten im Körper weckt (S. 60-62) und auch, dass es mit Hilfe der Substanz Spermidin ein Fasten ohne Fasten gibt (S. 87-112). Also sogar einen „Königsweg“ zum langen, erfüllten, gesunden Leben.

Was das Buch zudem noch lesenswert macht

Bedenkenswerte Satzgebilde begegnen einem, nicht auszuschließen, dass es sich dabei um tradierte Lebensweisheiten handelt: wie, „… es ist nicht wichtig, was man zwischen Weihnachten und Silvester macht, sondern das was man zwischen Weihnachten und Silvester tut!“

Es gibt viele Tipps zum Jungbleiben, jeweils mit kurzer Zusammenfassung „Auf einen Blick“: durchs Essen (S. 115-127), Fasten (S. 131-137) und den Lebensstil (S. 141-149). Ebenfalls gehört ein Selbstversuch mit 10 Experimenten dazu (S. 153-185). Wie auch fünf Rezepte für „Länger-Leben-Menüs“ (S. 195-224) – gratis!

Und vor allem auch ein Schuss Nachdenklichkeit, wenn sich Slaven Stekovic Gedanken zum „langlebigen Menschen“ macht (S. 189-194). Was bringt uns die Genschere – hier zu vertiefen die Genom-Editierung. Und vor allem was bewirken immer mehr Ersatzteile für menschliche Gliedmaßen sowie Organtransplantationen, bis hin zu den Cyborgs, den halb-Mensch-halb Maschine-Wesen, wie dem Terminator (gespielt von Arnold Schwarzenegger, einem anderen Grazer). „Sind wir dann noch Menschen?“ frägt Slaven ganz zu recht.

#PreppoKompakt

Ein Buch, bei dessen zügiger Lektüre man enorm viel lernt, die zudem auch Spaß bereitet (hier erhältlich*). Kein L’art pour l’art, sondern vernünftige Anregungen für ein gesundes, zufriedenes, erfüllteres und längeres Leben.

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