“Die größte Chance aller Zeiten“ von Marc Friedrich – nach dem Crash hinein ins goldene Zeitalter

Das brandneue Buch “Die größte Chance aller Zeiten” aus dem Finanzbuchverlag in München, rund 360 Seiten zum Preis von 22 €, kommt am 20. April 2021 mit einem kleinen Schönheitsfehler/angestoßenes Eck bei uns an. Es hat die gewohnte Umschlagsgestaltung, ein etwas kräftigeres Druckbild, eine mit fünf Kapiteln überschaubare Gliederung. Nach ein paar Seiten Leseprobe, vor und zurück, ist klar: Aus der Hand gebe ich das Buch nicht mehr, möchte es zügig lesen und besprechen. Mit Amazon “verhandeln” wir über einen Preisnachlass – und bekommen ihn auch. Der Wechsel von Eichborn, wo Marc Friedrich bisher verlegt wurde, zum Finanzbuchverlag übrigens ist schlüssig, da dieser bei Wirtschaftsthemen einen klaren Schwerpunkt setzt. Das Buch passt ganz in das Verlagsprogramm vom FBV.

Gleich ins Auge fällt zu Beginn die für sich allein stehende, im Fortgang erst auf S. 180 angesprochene, aber nicht gänzlich entschlüsselte Widmung „Für Sofia (1980 – 2020)“. Marc Friedrich, wie wir wissen, ist Jahrgang 1975.

Die größte Chance aller Zeiten

Zur Gliederung des Buches “Die größte Chance aller Zeiten”*

Die fünf Kapitel neben einem Vor- (S. 11-16) und Schlusswort (S. 359-362) handeln vom Status quo (S. 17-54), von verschiedenen Zyklen (S. 55-128), einem Ausblick auf die Inflation (S. 129-159), darüber was sich alles ändert (S. 161-193) und was man mit seinem Geld tun kann/sollte (S. 195-357). Dann anschließend gibt es Informationen zum Autor mit Kontaktmöglichkeiten, End/Fußnoten und zu guter Letzt eine Ankündigung für ein Buch zusammen mit Florian Kössler über die größte Revolution aller Zeiten, genannt Bitcoin. Schon auf S. 195 fordert Marc Friedrich seine Leserinnen und Leser auf, selbst nachzudenken und zu agieren und: „Lassen Sie es mich wissen. Gerne in einer Rezension bei Amazon und Co.“ Oder auf Preppo.de, sage ich mir.

Zum Inhalt des Buches

Vorwort – Krise birgt Chance

Die Pandemie zeige, dass unser System nicht resilient ist und wir „… maßlos überforderte und kopflos-aktivistische Politiker …“ hätten (S. 11). Alles werde sich für immer verändern und es ginge darum, wie sich finanziell und mental darauf vorzubereiten. Ja, wir befänden uns im Dauerkrisenmodus, Corona sei dabei nur ein Brandbeschleuniger. Und ja, sogar eine neue Zeitrechnung wird nahegelegt, mit 2020 als Wendepunkt, wo die Karten neu gemischt wurden. Die Frage sei, was tun? Danach aber wird uns ein Goldenes Zeitalter verheißen, das Buch solle auf dem Weg dorthin als Übersicht und Hilfestellung dienen.

Kapitel 1 – Zeitenwende hat begonnen

Wir sind alle Neapolitaner, denn laut Marc Friedrich tun wir so, also ob der Vesuv, ein aktiver Vulkan, zu unseren und unserer Kindeskinder Lebzeiten unter keinen Umständen ausbrechen wird. Dabei sind wir mittendrin in der Zeitenwende, auch eine Vollbremsung würde nichts mehr bringen. Daran könne auch die Geldpresse nichts mehr ändern. „Das System wird mit einem Knall enden.“ (S. 37). Was wir erleben sei eine gigantische, staatlich legitimierte Insolvenzverschleppung.

Auch im 18. Jahrhundert habe es Spekulanten gegeben, heute aber gebe es an den Börsen nur noch Spekulanten. Wobei Friedrich diese fein unterteilt in nicht so gut, besser und extrem gut Informierte. Letztere handelten einzig und allein mit der Droge Geld selbst. Dabei ginge es zunehmend weniger um bares Geld, denn das solle ja abgeschafft werden. Geld, das im jetzigen System durch nichts anderes als durch Vertrauen gedeckt ist. Mit digitalem Geld werde die Kontrolle einfacher, mit einem Bargeldverbot lande man in der digitalen Diktatur.

Kapitel 2 – Zukunft vorhersehen

„Zyklen bestimmen das Leben – unser gesamtes Leben ist zyklisch“, folgert der Autor (S. 55). Ob Jahreszeiten, das Geldsystem oder auch Geschichte. So vergleicht er den Aufstieg und Fall des Römischen Reiches mit der heutigen Situation. Heute sei die Staatsquote, das Verhältnis der Staatsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt, die Schlüsselgröße. Ist sie hoch ist das brandgefährlich. „Das riecht … verdächtig nach Sozialismus und Planwirtschaft. Beides ist zum Scheitern verurteilt.“ (S.60). Und Deutschland werde seinen Status und Wohlstand verlieren.

Die finale Blase stehe kurz vor dem Platzen. Darunter versteht der Autor die drei Assetkategorien Aktien, Immobilien und Anleihen plus einer Rohstoffblase.

Im Kapitel wimmelt es von wohlklingenden Namen und Begrifflichkeiten, so dem Cantillon-Effekt oder dem Gresham’schen Gesetz. Die Zeit bricht an für Ökonomen wie Warren Buffett, James Tobin, Hyman P. Minsky, William Strauss/Neil Howe, Joseph Schumpeter und Nikolai Kondratjew. Letzterem verdanken wir die Theorie der langen Wellen, das sind Wirtschaftzyklen mit einer Dauer von 40 bis 60 Jahren. Gegenwärtig – so Marc Friedrich – befinden wir uns am Tiefpunkt des fünften Kondratjew-Zyklus.

Vierter K-Zyklus

Mitten in die Beschreibung des vierten K-Zyklus “Auto und Fernsehen” platzt sein überraschendes Bekenntnis als „alter Linker“ sowie zu einem Wohnort nördlich von Berlin, eingeleitet durch schöne Wortspielereien. „Die Frage ist nicht, ob in Zukunft noch Autos gebaut werden (mit Sicherheit) oder ob diese alle von einem Elektromotor angetrieben werden (wahrscheinlich nicht). … Die Frage ist nur, wie viel Mobilität wir in Zukunft brauchen und wollen – und welche zahlreichen Technologien uns diese Mobiltät ermöglichen werden. Ich habe da keine Prognose – außer der, dass es eine buntere Mischung sein wird als heute.” (S. 115). Die Details solle man dem Markt überlassen.

Fernsehen gebe es nur wegen der Werbung. Das heutige Übermaß daran resultiere aus einer Knappheit der Nachfrage um 1950 herum, alle Zeit zuvor habe Knappheit immer zu wenig Angebot bedeutet. „Nicht allein die Kaufkraft, vor allem die Kauflust wurde zum Flaschenhals der Ökonomie.“ (S. 117f).

Fünfter K-Zyklus

Im fünften Zyklus “PC, Software, Netzwerke” spreche vieles dafür, dass Werbung nicht mehr viel bringe. Eine neue Form der Knappheit habe sich ergeben, die Knappheit an Aufmerksamkeit. Die Formulierung „… der neuste heiße Scheiß im Web …“ (S. 121) überlesen wir dabei einfach. Der Zyklus endet bereits nach vierzig Jahren, weil uns die Zeit knapp wird und die Informations- und Kommunikationstechnik zunehmend ihre treibende Rolle verliert.

Sechster K-Zyklus

Deshalb steht laut Marc Friedrich nun der “Recycling-Kapitalismus” als nächster, sechster Super-Zyklus vor der Tür. Rohstoffe seien essenziell, vor allem auch (Trink)Wasser. Aber dies gehe auch ohne Panikmache, nicht wie beim Waldsterben oder übertriebenen Warnungen vor dem Verzehr von Fett. An dieser Stelle bekennt er sich auch klar zur Nutzung der Kernkraft. Allgemein werde Knappheit immer mehr zum Thema und damit auch die Wiederverwendung.

Kapitel 3 – was auf uns zukommt

Hier geht es um die Inflation, wie sie wirkt und wie man sie landläufig misst – mit Warenkörben. Aber auch um die “wahre Inflation” und welchen Einfluss die Demografie darauf hat. Bevor Marc Friedrich den Krisenverlauf von 2020 bis 2023 in Halbjahresschritten in ein Schaubild mit 11 Stufen packt (auf S. 159), rückt er, wie er selbst sagt, mit einer verrückten Idee heraus: Einer Art Lebensmittelampel für Notenbanken, Regierungen und Politiker unter Zuhilfenahme der Blockchain-Technolgie.

Kapitel 4 – was sich ändern sollte

Wie wäre es mit dem Spitznamen “Marx Friedrich Engels” für den Autor? Denn nicht viel radikaler haben auch Karl Marx und Friedrich Engels ihre Gedanken formuliert. „Fakt ist: Wir brauchen ein neues, gerechtes Geldsystem, ein besseres … Wirtschaftssystem und ein neues politisches System.“ (S. 161). Einen radikalen Wandel und komplett neue Wege fordert Marc Friedrich ein. Gesellschaftskritik pur. Wobei die Krise beim Wandel helfen soll, als eine Art Motor. Er fordert ganzheitliches Denken und dazu auf, das Menschliche wiederzuentdecken und wiederzuerwecken. Es brauche mehr Menschlichkeit, denn der Mensch sei ein Herdentier. Lustigerweise hat der Autor aufgrund seines feinen Sprachgefühls im Zusammenhang mit dem Corona-Virus den Begriff „Herdenimmunität“ vermieden und stattdessen von der „Immunitätsrate in der Bevölkerung“ (S. 41) gesprochen.

Grundübel Geldsystem

Das Grundübel aber sei das Geldsystem und das Corona-Virus die Nadel, die die Finanzmarktblase zum Platzen bringt. Wer rette die Notenbanken, wenn nicht die Bürger. Das Ende komme 2023, allerspätestens in dieser Dekade. Es steuere alles auf ein Ende mit Schrecken hin. Und dann wird Marc Friedrich sehr persönlich, schüttet sein Herz aus, berichtet von den harten Angriffen nach seinem Spiegel-Interview und stellt existenzielle Fragen. Er erhofft sich eine Katharsis, ein reinigendes Gewitter. Natürlich haben ihn seine Krisenerfahrungen in Argentinien 2001 und ein paar Jahre später in den USA stark geprägt.

Die Reformvorschläge

Hier eine Auswahl seiner Vorschläge zur Reform des politischen Systems (S. 180-193):

  • Er erklärt die Parteien für obsolet, sie befänden sich in einer intellektuellen Abwärtsspirale, warnt davor in eine linke oder rechte Diktatur zu kippen.
  • Will ein neues Geldsystem, digital mit Blockchain-Technologie.
  • Fordert einen kräftigen Bürokratieabbau – wie unsere “Spitz-findig-keit” von morgen es auch nahelegt.
  • Will keine Berufspolitiker mehr und auch die Amtszeiten beschränken.
  • Eine Politikerhaftung für historische Fehlentscheidungen, wie unter anderem bei der Energiewende.
  • Den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI), wie die bereits erwähnte „politische Ampel“ zur Ergänzung und Überwachung der Politik.
  • Und ausgesprochen mutig eine radikale Steuerreform mit nur noch einer Art Flat-Tax, das heißt einer Konsumsteuer.
  • Mehr direkte Demokratie per Blockchain.

Kapitel 5 – was tun mit dem Geld

Hier handelt es sich auf circa 150 Seiten um das Friedrich‘sches Standardrepertoire und -themen, allerdings unter veränderten Vorzeichen. Denn, so sagt er: „Wir werden nicht mehr in der alten Welt aufwachen!“ (S. 197)

Er sieht eine Zombie- und danach eine Pleitewelle auf uns zukommen, wobei wir schon jetzt die größte Steuerlast weltweit zu tragen haben. Dazu passt dann noch der Hinweis auf die Anti-Steuervermeidungsrichtlinie (ATAD) der EU, mit der unter Umständen sogar rückwirkend ab dem 1.1.2021 eine “Wegzugssteuer” zu bezahlen ist. Interessant auch die Ausführungen zu Aktiendepots und Schließfächern. Gut zu wissen, dass sie Treuhandvermögen sind und damit – im Gegensatz zu Konten und Sparbüchern – im Falle einer Insolvenz der Bank nicht in deren Insolvenzmasse fallen.

Investmentmatrix

Sehr aussagekräftig ist (auf S. 206) die Investmentmatrix in zwei Ausprägungen. Sie stellt die Eignung als Wertspeicher – bis zu drei Sterne – in den Phasen Deflation, Inflation, Währungsreform und Boom systematisch dar. Drei Sterne fahren Tauschartikel, Silber, Gold, Diamanten und Bitcoin ein. Keinen Stern haben Staatsanleihen, Schulden, Riesterrenten und Lebensversicherungen, Kontoguthaben, Ferienimmobilien, Fremdwährungen, Bausparverträge und Bargeld. Die restlichen Vermögenswerte liegen mit einem oder zwei Sternen dazwischen. Dem erwähnten Bitcoin, auch aus einer Krise geboren, werden über 30 Seiten gewidmet. Wir haben uns im Blog hier schon etwas damit beschäftigt.

Rohstoffzyklus

Zum “Rohstoffsuperzyklus” (ab S. 270) mit goldener Strategie sowie Fazit und Rat gibt es noch viele Details zu einzelnen Rohstoffen, wie Energie, Edel- und Industriemetallen, Agrarrohstoffe und anderen. Plus konkrete Angaben zu möglichen Investments. Enthalten ist auch eine nüchterne Betrachtung der deutschen Energiewende und zur Rolle der Kernkraft. Eine griffige Wortspielerei, ganz nahe bei Prof. André Thess mit seinem hier wiedergegebenen „Sonne, Wind und Kerne“-Ausspruch lautet. „Mir ist die, Achtung Wortwitz, Sprengkraft des Themas Kernkraft durchaus bewusst, aber sie ist … ein wichtiger Baustein im Hinblick auf Versorgungssicherheit, Wohlstand und Klimaneutralität.“ (S. 347).

Die perfekte Vermögenssicherung

Den fulminanten Schlusspunkt setzt Marc Friedrich mit Aussagen zur perfekten Vermögenssicherung: Erstens bis zu 20 Prozent in Bitcoin und Co. Zweitens bis zu 30 Prozent in Edelmetalle (Gold, Silber und Platin). Drittens bis zu 25 Prozent in Aktien/ETFs und Fonds. Viertens bis zu 10 Prozent in Diamanten. Fünftens bis zu 5 Prozent in Land (Wald, Wiese, Ackerland). Sechstens bis zu 5 Prozent in Exoten (Whiskey, Kunst, Oldtimer, Uhren). Siebtens bis zu 10 Prozent in Cash zum Nachkauf und für den deflationären Schock. Und achtens bis zu 30 Prozent in eine schuldenfreie Immobilie.

Moment mal. Das sind ja 135 Prozent, hat sich da jemand verrechnet? Vermutlich liegt die Erklärung im „bis zu“. Eindeutig allerdings der Druck/Schreibfehler auf S. 168 unten. Ein zweiter Fehler wurde entdeckt – und zunächst wieder aus den Augen verloren. Finden Sie ihn selbst bei der lohnenden Lektüre des Buches.

Das Friedrich’sche Schlusswort

Eine Art kurze Zusammenfassung, bei der wiederum die Bedeutung der Bitcoin herausgestellt wird. Und die künstliche Intelligenz als Königsweg beschrieben wird, die den Faktor Mensch als Politiker ersetzt. Auch das goldene Zeitalter wird nochmals bemüht. Die Schlusssequenz, bezogen auf ein chinesisches Sprichwort, sollte dabei auf keinen Fall falsch ausgelegt oder grün verstanden werden: „Lasst uns Windmühlen bauen!“

Und hier geht es zu unserer neuesten Spitz-findig-keit.

#PreppoKompakt

“Die größte Chance aller Zeiten”. Das ist nach meiner Einschätzung ein verdammt ehrliches Buch, das man auch aufgrund der darin versammelten Lebenserfahrung nicht ungelesen weglegen sollte. An der einen oder anderen Stelle leicht unübersichtlich, auch redundant, dem Eindruck nach etwas eilig fertiggestellt. Aber dafür in manchen Überlegungen regelrecht visionär und damit wiederum mutig. Wem sein eigener Verstand und sein eigenes Gefühl schon ähnliche Dinge zuraunt, der findet darin einen kongenialen Partner. Und Marc Friedrich bleibt sich treu, selbst wenn er sein Image als reiner Crash-Prophet abzuschütteln versucht.

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