Das Buch der vielen Superlative

Von dem Gespann Marc Friedrich & Matthias Weik ist man einiges gewohnt. Aber ihr neuestes Werk mit dem Titel „Der größte Crash aller Zeiten – Wirtschaft, Politik, Gesellschaft – Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können“ sprengt alle Dimensionen. Dabei ist das zum Monatsanfang im Eichborn Verlag erschienene Buch mit 16 Kapiteln auf 400 Seiten (einschließlich Anhang) für 20 Euro wohlfeil.* Umso mehr als die 5 Cent pro Seite – folgt man der einen oder anderen dort niedergelegten Empfehlung des schon seit dem Kindergarten befreundeten Duos – locker vielfach wieder hereingeholt werden können. Größter Crash aller Zeiten, größte Schulden- und Anleihe-Blase, größtes Notenbankexperiment und tiefste Zinssätze seit 5000 Jahren und anderes mehr. Wer soll das noch überTrumpfen?

Woher sie kommen

Seit 2009 arbeiten Marc Friedrich und Matthias Weik als Vermögensberater zusammen. Ihr Büro haben sie in Lorch, einer Stadt im Remstal mit rund 11000 Einwohnern, die zur Europäischen Metropolregion Stuttgart gehört. Das Städtchen beheimatet ein altehrwürdiges Kloster mit der Hauskapelle des Kaiser- und Königgeschlechts der Staufer und ist durch den römischen Limes als Unesco-Weltkulturerbe geadelt. Friedrich & Weik haben Wirtschaft studiert und reichlich Berufserfahrung in verschiedenen Auslandseinsätzen weltweit gesammelt. Sie selbst charakterisieren sich als brisante Mischung – „Ökonomen und Schwaben“ – und sind stolz auf ihre Heimatregion, die „… schon viele kritische Geister, Querdenker, Visionäre und Rebellen“ (S. 11) hervorgebracht habe. Auch Friedrich Schiller und Eduard Mörike – das erfährt man bei Wikipedia – haben im 18. respektive 19. Jahrhundert zeitweise in Lorch gelebt. Noch heute leben dort Menschen wie Friedrich & Weik, die selbständig denken, anständig nachdenklich und nicht zuletzt sehr geschäftstüchtig sind. Und die auch weiterhin an die Menschen und daran glauben, dass die Vernunft handlungsleitend sein sollte.

Was sie predigen

Die Quintessenz steht unter der Überschrift „Unser Szenario“ (S. 19f) und läßt sich stichwortartig so zusammenfassen: die kommende Rezession löst einen deflationären Schock aus, die Notenbanken führen weitere Zinssenkungen durch und läuten damit ein Bankensterben ein. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt, die Kreditvergabe erlahmt, die Zombie-Unternehmen kollabieren und ziehen die restlichen Banken mit sich. Dann versuchen die Zentralbanken panisch den Zins weiter ins Minus zu drücken indem sie Geld zuhauf drucken. Dadurch entsteht letztlich eine Hyperinflation von 10 bis 20, wenn nicht sogar von bis zu 50 Prozent pro Monat.

Zum Neustart wird eine Währungsreform notwendig, die die breite Masse – das ist auch empirisch belegbar – als Verlierer sieht. „Zwischen 97 und 99 Prozent der Bevölkerung haben 50 bis 100 Prozent verloren – egal ob in Argentinien 2001, in Russland 1998 oder in Deutschland 1948“ (S. 20). Als (ge)wichtiger Krisenindikator – in neun von 10 Fällen signalisierte sie eine aufziehende Rezession – gilt die inverse Zinskurve für Staatsanleihen. Normalerweise ist der Zins umso höher je länger die Lauzeit, bei der inversen Zinskurve ist er bei kurzen Anleihelaufzeiten höher, worin sich eine extrem pessimistische Wachstumserwartung ausdrückt. Und genau diese Konstellation liegt erstmalig seit 2007 wieder vor. „Die 10-jährigen Anleihen der USA und Großbritanniens sind unter die 2-jährigen Anleihen gefallen …“ (S. 26).

Politik kritisch unter der Lupe

Die Geld- und Währungspolitik von EZB und IWF wird in den Kapiteln 2 bis 5 (S. 33-106) kritisch hinterfragt. Der Politik aus deutschen Landen sind die Kapitel 6 bis 9 gewidmet (S. 107-203) und der grundlegende Tenor, dass man sich auf dem Holzweg befinde, mit eingängigen Beispielen überzeugend belegt: die höchste Abgabenbelastung weltweit – ein weiterer Superlativ, das implodierende Rentensystem, unser Infrastrukturdesaster, das Peter-Prinzip und der Dunning-Kruger-Effekt, die Konzentration der Medienlandschaft auf wenige „Spielgestalter“ und der umstrittene Rundfunkbeitrag kommen zur Sprache, selbst die famose Energiewende kriegt ihr Fett weg. Trotzdem kommt übrigens auch der Humor nicht zu kurz, wie ein Beispiel mit Berliner Couleur belegt: „Der Einzige, der noch geschlossen hinter Angela Merkel steht, ist der BER“ (S. 138).

Und wie steht es bei den anderen

In den Kapiteln 10 bis 12 (S. 205-243) ergießt sich der übliche Schimpf über die EU und kulminiert in der Frage, ob der (immer noch nicht vollzogene) Brexit nun eine kluge oder historisch dumme Entscheidung der Briten sei (S. 225). In Bezug auf die USA und China, denen ein Platztausch in der führenden Rolle der Weltwirtschaft vorhergesagt wird, wird ähnlich gefragt, ob nun Präsident Trump brilliere oder lediglich ein Blender sei (S. 227). Auch diese Frage bleibt nicht vage, sondern wird mit der prognostizierten Wiederwahl klar beantwortet.

Lösungsansätze für die Zeit vor und nach dem Crash

Das zentrale Kapitel, weil dort die Lösungsansätze beschrieben sind, ist die 13 (S. 245-354). Nur zur Klarstellung: die Autoren gehen nicht mehr davon aus, dass der Crash abzuwenden sei. Der Euro scheitere spätestens 2023. Sie wollen ganz im Stile der schwäbischen Hausfrau – deren bekennende Fans sie sind, wen wundert es – mit ihrer Wurzelstrategie und dem Eichhörnchenprinzip aufzeigen, was alles zur Sicherung individueller Vermögen getan werden kann. Sie läuten damit das Zeitalter der Sachwerte ein (S. 268). Dabei geht es um sämtliche Anlagekategorien, wie Edelmetalle, Diamanten, schuldenfreie Immobilien, Wald, Land, Acker, Wiesen, Aktien, Exoten wie Whiskey, Kunst, Oldtimer oder Uhren, aber auch Bitcoin, Bargeld, Fremdwährungen und ein wenig kurzläufige Staatsanleihen (S. 275). Die Beschreibung ist logisch nachvollziehbar, wobei die Autoren appelieren, bei Entscheidungen auch auf das Bauchgefühl zu hören. Hilfreich dabei auch die Investmentmatrix am Kapitelende (S. 354).

Warum sie dennoch optimistisch sind

Die Kapitel 14 bis 16 (S. 355-388) runden das Ganze ab. Da werden eine neuerliche Diktatur an die Wand gemalt, Maschinen mit künstlicher Intelligenz auf ihre wohlstandsfördernde Wirkung hin abgeklopft und eine Zombie-Gesellschaft konstatiert. Neben Zombie-Firmen, die nur wegen des billigen Geldes und solange es dieses gibt, existieren können, also auch noch eine Zombie-Gesellschaft. Eine „… Gesellschaft, die augenblicklich alles hat, sorglos vor sich hinleben kann, keine ethischen Leitsätze mehr kennt, die vor dem Gegenüber keinen Respekt mehr hat“ (S. 384). Und dann kommt der Spruch mit der Krise als Chance und, dass der Mensch am besten durch Scheitern lerne.

Hier geht, das merkt man, dem Buch langsam die Kraft aus. Und das obwohl nicht nur Friedrich & Weik sich auf den 400 Seiten verewigt haben, sondern eine ganze Reihe von Autoren mit Gastbeiträgen (in der Danksagung auf S. 391 einzeln aufgeführt). Beispielsweise Daniel Stelter (S. 195-204), der noch einmal an das Märchen vom reichen Land erinnert. Oder Horst Lüning (S. 334-348), der alles Wesentliche über Whisky, den exotischen Sachwert, zu Papier gebracht hat – obwohl Marc Friedrich ein begnadeter Whiskyliebhaber ist. Wer ihn einmal im Gespräch erleben möchte, der sehe und höre sich das Interview auf Tichys Einblick zum besprochenen Buch an.

Cui bono – wem das nützt

Die Frage, wem das nützt, lässt sich ganz einfach beantworten: allen. Natürlich den Autoren, sie sind Geschäftsleute und gefragte Referenten und verdienen mit solchen Publikationen, Bestsellern, ein gutes Geld. Aber auch den geneigten Lesern, die zudem eine Art Freibrief erhalten: „Geben Sie das Buch gerne weiter, kopieren Sie es, geben Sie Ihr Wissen daraus weiter. Seien Sie ein Multiplikator! Unsere Mitmenschen müssen erfahren, was sich da anbahnt und zusammenbraut“ (S. 20).

Alles gesagt. Im Prinzip ja, aber das Buch enthält noch eine Reihe wunderbarer Zitate von Klassikern, die hier den Schlußpunkt setzen:

William Shakespeare (1564-1616) – „Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.“ (S.10)

Friedrich Schiller (1759-1805) – „Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.“ (S. 144)

Und als kleine Zugabe von mir (JG):

Konfuzius (591-479 v. Chr.) – „Dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.“

#PreppoKompakt

Die Lektüre des Buches „Der größte Crash aller Zeiten“ * ist zu empfehlen. Wem da zu dick aufgetragen wird, der möge sich später – in vier, fünf Jahren – damit brüsten, es besser gewußt zu haben oder schweigen. Wem die Aussagen und Argumente einleuchten, der kann für seine persönliche Vermögenssituation echte Weichenstellungen vornehmen. Aufgrund der Vielzahl an Informationen zu gesellschaftlichen Vorgängen und Institutionen gewinnen beide an Wissen, aber nur einer an Weisheit hinzu.

Handlungsfeld

Krisenvorsorge

* Alle auf unserer Seite dargestellten Produktempfehlungen sind mit einem sogenannten Affiliate-Link versehen. Beim Abschluss eines Kaufs erhalten wir, ohne dass sich der Produktpreis erhöht, vom Anbieter eine Provision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hier geht's weiter

Entdecke mehr