Spitz-findig-keit

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer neuen Kolumne ‘Spitz-findig-keit’ werden wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen zitieren, dabei auch klassische Denkerinnen und Denker nicht verschonen.

Um Denkanstösse zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute geht es wieder mal um die gerechte Sprache, deren Wappentier laut Stefan Stirnemann die Amsel ist. Und bei Erich Kästner begegnen wir dem Vögelchen wieder. Dazwischen erfreuen wir uns an unserem sparsamen Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der immer eine gute Figur abgeben und eigenlich auch – gerade jetzt – die (Textil)Wirtschaft ankurbeln sollte.

1. Spitz-findig-keit

In der NZZ vom 10.5.2021 werden unter der Überschrift „Gendern und gerechte Sprache: Erlöse uns von der Bösen!“ verschiedene Überlegungen zu „sprachtheoretischen Verirrungen der Gegenwart“ angestellt. Es handelt sich um eine pointierte Auseinandersetzung mit der Gendersprache, die zur Gänze – da auch nicht ellenlang – überaus lesenswert ist.

Gefragt wird unter anderem, ob Bürgerrechte nur für Männer gelten und warum Marx seine Zuhörer nicht mit „Volksgenossinnen und Volksgenossen“ angesprochen hat. Und glasklar wird postuliert: „Sprachregelungen haben ihren Platz in Diktaturen, wobei jede Diktatur auf Hilfe angewiesen ist: Sie braucht Leute, die bereit sind, Befehle zu zischen, und Leute, die Männchen machen, wenn sie es zischen hören.“

Hier auszugsweise nur noch drei Absätze mit “großen Tieren” als Appetithappen, sozusagen.

„Wer findet die gerechteste Form? Die Sprache kennt Säuglinge, Wohltäter, Bundesräte. Karl Valentin und Grimmelshausen empfehlen gemeinsam die Saugenden, Wohltuenden, Bundesratenden. Bei den Letztgenannten liesse sich, ab und zu mit Recht, ans Herumraten denken. Papageno schliesslich singt neu: «Ein Männchen oder Weibchen wünscht Papageno sich!» Wer fühlt sich noch ausgeschlossen?

Gottfried Keller schrieb im «Grünen Heinrich» von «Regierungspersonen». Dass dieses Wort damals Männer meinte und dass es heute für Frauen und Männer steht, das liegt an der Wirklichkeit, nicht am Wort. Es gibt zwei Typen von Mensch: Der eine will die Welt ändern, der andere schont seine Kräfte und regelt die Sprache.

Harmlos gehe ich im Wald meines Weges, da lärmt im Gebüsch eine Amsel los und flieht flügelschlagend. Sie wähnt sich in Gefahr, und mit ihrem Zetern macht sie mich zur Vogelscheuche. Die Amsel ist das Wappentier derer, die überall die grosse Kränkung wittern, beispielsweise eine böse männliche Form, die durch die weibliche aufgewogen werden muss.“

So Stefan Stirnemann in der NZZ.

2. Spitz-findig-keit

Rote Hose gleich rotes Tuch? Ein offizielles Video zeigt unseren Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit eben einer solchen Hose. Das besondere daran ist, dass er sitzt und man die Hose – und zwar mit der amerikanischen Flagge im Hintergrund – dennoch sieht.

Minister Peter Altmaier während seiner Bewertung des Integrationsgipfels vom 9.3.2021

Ja, er ist eben doch sparsam. Statt vermutlich die Lieblingshose schnell durchzurutschen, zieht er sie aus, so hält sie einfach länger. Oder er wollte eh gleich nach der Einspielung ins Bett gehen. Aber es wird schon seine saarländische Sparsamkeit – nicht nur wir Schwaben sind sparsam – gewesen sein. Denn er hat die Aufnahme ja auch ohne seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ministerium gemacht. Die hätten ihn sicherlich darauf hingewiesen, dass er die transatlantischen Beziehungen – nun ja, Trump ist weg und Biden nicht so zickig, aber dennoch – belasten könnte, wenn die rote Hose den Stars and Stripes so nahekommt.

Aber zugestanden, diese Überlegung ist schon sehr, sehr spitzfindig. Unser Außenminister Heiko Maas, ebenfalls Saarländer, aber kleinere Konfektionsgröße, hebt ja förmlich ab, wenn man ihn auf die Normalisierung der deutsch-amerikanischen Beziehungen anspricht. Gefragt, ob mit Joe Biden die Beziehungen wieder normal seien, antwortet er: „Nein, sie sind hervorragend.“ Hier nachzulesen im newsroom des Auswärtigen Amtes, Stand 26.4.2021.   

Also, nichts passiert. Zwar roter Stoff, aber kein rotes Tuch – alles in Butter. Wer den Wirtschaftsminister mit seiner roten Hose nicht nur sehen, sondern auch hören möchte, kann dies hier auf YouTube tun (ab 23:16). In der Anmoderation heißt es, “zuguterletzt der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier” – nachdem zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel, Staatssministerin für Integration Anette Widmann-Mauz und Familienministerin Franziska Giffey gesprochen haben. Er liest übrigens gekonnt vor, gendert nicht und wir erfahren auch etwas vom 13. Integrationsgipfel am 9. März 2021. In der von der ARD übertragenen Pressekonferenz verdeckt das Gipfel-Schild zumindest teilweise die besagte Hose (hier ab 19:13). Vielleicht ist es deshalb niemandem aufgefallen, nicht mal Frau Bundeskanzlerin.

3. Spitz-findig-keit

„Die Welt ist rund“ aus 1929 von Erich Kästner (1899-1974), der das wusste, noch bevor die Raumfahrt es uns plastisch vor Augen führte. Von dem Gedicht mit neun Versen nur den ersten und die beiden letzten, wobei die Spitz-findig-keit nicht nur im Quadrat daherkommt:

“Die Welt ist rund, denn dazu ist sie da. Ein Vorn und Hinten gibt es nicht. Und wer die Welt von hinten sah, der sah ihr ins Gesicht!

Ja, wenn die Welt vielleicht quadratisch wär! Und alle Dummen fielen ins Klosett! Dann gäb es keine Menschen mehr. Dann wär das Leben nett.

Wie dann die Amseln und die Veilchen lachten! Die Welt bleibt rund. Und du bleibst ein Idiot. Es lohnt sich nicht, die Menschen zu verachten. Nimm einen Strick. Und schieß dich damit tot.“

Und hier gibt es Neues zur Blockchain.

#PreppoKompakt

Die Spitzfindigkeiten gehen uns (noch) nicht aus. Woran das wohl liegen mag?

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