Preppo fragt nach bei Dr. Slaven Stekovic

Wir führen im Blog mit „Preppo fragt nach!“ eine neue Kategorie ein. Den Anfang macht Dr. Slaven Stekovic, über dessen Buch „Der Jungzelleneffekt“ wir im Oktober 2019 hier berichtet hatten. Mit seinen Antworten auf unsere sechs Fragen bringt er uns in Bezug auf das Intervall-Fasten auf den neuesten Stand.

1. Herr Stekovic, wir haben vor über einem Jahr Ihr 2018 erschienenes Buch „Der Jungzelleneffekt“ besprochen. Haben sich zwischenzeitlich neue Erkenntnisse zum Intervall-Fasten ergeben, an denen Sie uns teilhaben lassen können?

Die Ergebnisse unserer InterFAST Studie in der wir die Effekte des periodischen Fasten untersucht haben, wurden in Cell Metabolism in 2019/2020 veröffentlicht. In dieser Studie konnten wir bestätigen, dass auch gesunde Menschen schon innerhalb von 4 Wochen von regelmäßigen Fastenperioden profitieren können. Dabei haben wir uns auf das sogenannte Alternate Day Fasting (ADF) fokussiert. Am stärksten waren diese Effekte im Bereich der kardiovaskulären Gesundheit. Bei gesunden Menschen wurde dadurch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen gesenkt. Wie nachhaltig diese Effekte sind und inwieweit andere Fastenprotokolle ähnliche Effekte erzielen, können wir noch nicht sagen. Wir sind alle auf weitere Ergebnisse dieser Studie gespannt.

Cell Metabolism, Vol. 30/3 – 3.9.2019 – Graphical Abstract
2. Sie empfehlen in Ihrem Buch den Verzehr von Cheddar-Käse, da er Spermidin enthält. Eine Substanz, so Ihre Aussage, die ein Fasten ohne zu Fasten, also sogar einen “Königsweg” zum langen, erfüllten, gesunden Leben ermöglicht. Bei den Discountern und Lebensmittlern findet man in den Regalen fast ausschließlich diesen Käse aus irischer Produktion. Ist Cheddar gleich Cheddar? Spielt vielleicht die Reifezeit eine Rolle?

Die Qualität der Lebensmittel und deren Zusammensetzung hängt von den Produktionsmethoden und der Lagerung ab. Somit ist auch anzunehmen, dass bei verschiedenen Produkten oder sogar Produkten aus unterschiedlichen Produktionschargen eine Variabilität der Spermidin-Werte vorkommen kann. Inwieweit diese Werte allerdings variieren, ist aus dem Stegreif schwer zu sagen. Einerseits ist der Spermidin-Gehalt kein Qualitätskriterium in der Lebensmittelindustrie. Somit sind die Daten dazu sehr sporadisch verfügbar. Anderseits ist aber auch davon auszugehen, dass die Produktions- und Logistikprozesse, also beginnend von der Rohstoff-Produktion (z.B. Milchproduzenten) bis zur Lagerung im Supermarkt, einen sowohl positiven als auch negativen Einfluss auf die Qualität inkl. Spermidin-Gehalt haben kann. So zeigt zum Beispiel ein höherer Reifegrad in den meisten Analysen eine Erhöhung der Spermidin-Konzentrationen im Käse. Das kann man als eine sehr grobe Faustregel annehmen.

3. Das alles dominierende Thema in 2020 ist Corona. Die Krankheit Covid-19 wird durch Viren ausgelöst. Nun enthält unser Mikrobiom, das die Vorgänge in Magen und Darm regelt, eine unvorstellbar große Masse an Viren und Bakterien. Können, müssen oder dürfen wir uns von dem „Feindbild“ Virus auch wieder verabschieden?

Der Mensch ist selber ein Ökosystem. Viele Bakterien und Viren die auf und in uns leben, helfen uns gewisse biologische und chemische Prozesse effizienter umzusetzen. Ein Schubladendenken ist also auch in diesem Fall der falsche Weg. Manche Bakterien in unserem Darm schaffen es sogar unser Immunsystem zu fördern. Somit schaffen sie eine indirekt protektive Wirkung gegen schlimmere Krankheitsbilder durch Infektionen. Deswegen sollten wir die biologische Komplexität akzeptieren und sie zu unserem Freund machen. Ob bestimmte Bakterien uns gerade gegen den Erreger von COVID-19 helfen können, traue ich mich nicht zu sagen. Allerdings dürfen wir auch nicht annehmen, dass alle Viren und Bakterien für uns Menschen schädlich sind. Wie in vielen anderen Sachen, eine Balance ist auch hier gefragt.

4. Intervall-Fasten ist, so kann man sagen, gesellschaftsfähig geworden. Es wird zunehmend besprochen und propagiert. Die Spielarten variieren immer stärker. Gibt es aus Ihrer Sicht eine Variante des Fastens, der Sie das Prädikat „die Beste“ verleihen würden?

Eine perfekte Fastenmethode für alle gibt es nicht. Je nach Ziel eines solchen Eingriffs in den Lebensstil und die Dauer der „Behandlung“ sind unterschiedliche Methoden zu präferieren. Dass regelmäßige Fastenperioden positive Effekte auf die Gesundheit generell haben können, wurde allerdings schon oft bestätigt. Heisst das, dass mehr immer besser ist – auf keinen Fall. Wir wissen, dass zu viel Fasten auf die Dauer auch schlecht sein kann. Deswegen gehören die Fasteneingriffe an die Person und seine/ihre Ziele angepasst.

5. Uns hat an Ihrer Herangehensweise auch die konsequente Umdeutung von Begrifflichkeiten beeindruckt. Das heißt konkret, nicht mehr von der Lebensdauer, sondern von der Gesundheitsspanne des Menschen zu sprechen. Oder von Langlebigkeits- statt Altersforschung. Haben Sie aus Ihrem Spezialgebiet, der Molekularbiologie, noch weitere Ratschläge, die Sie uns geben können?

Der Weg vom Labor zur realen Anwendung ist sehr lang – meistens mehrere Jahrzehnte. Deswegen treten solche große Ideen eher mit einer deutlichen historischen Distanz auf. Glücklicherweise sind es aber schon tausende von medizinischen Forschern, die an sehr diversen Themen arbeiten. Eine offene Zusammenarbeit und Diskussionskultur sind mittlerweile die wichtigsten Bausteine dieser „Industrie“. Das lässt sich auch auf unsere Gesellschaft umsetzen. Ein offener Umgang miteinander und die Bereitschaft für friedliche Kommunikation mit den Vertretern anderer Hypothesen sollten mehr gefördert werden.

6. Sie erzählen im Buch von der Prägung durch Ihre kroatische Urgroßmutter, die eine Gesundheitsspanne von 110 Jahren erreicht hat. Wie geht es Ihrer Verwandtschaft mütterlicherseits in der alten Heimat dort?

Alles bestens. Auch wenn das Leben in unserer Heimat mittlerweile auch etwas anders aussieht, geht es allen gut. Es kommen langsam die neuen Generationen unserer Familie auf die Welt. Das bringt einen zum Nachdenken, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen. In unserer Familie sind das die handgeschriebenen Kochbücher und die Musik. Diese Tradition bringt mich immer wieder zum Lachen.

Vielen herzlichen Dank, Herr Dr. Stekovic.

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#PreppoKompakt

Das Intervall-Fasten ist auch in unserer Familie angekommen. Da drei Viertel seit geraumer Zeit die 16 zu acht Stunden-Regel anwenden und ich zweimal im Monat den Freitag zum Ein-Tages-Fasten nutze, ist das Thema persönlich von Interesse. Für wissenschaftlich Interessierte der Link zur bei der ersten Antwort von Slaven Stekovic angesprochenen Studie in der Publikation ‘Cell Metabolism’, Vol. 30/3 vom 3.9.2019 – hier – mit Nachtrag in Vol. 31/4 vom 7.4.2020 – hier – in englischer Sprache.

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