Masken”bälle” in Zeiten der Pandemie

Das Thema Masken zum Schutz vor Sars-Cov-2 wird immer dringlicher, nachdem die Pandemie auch außerhalb Asiens von Land zu Land Besitz ergreift. In China und Japan gehörte das Tragen von Schutzmasken schon zuvor zur Kultur, jedenfalls dominierten diese die Bilder von großen Menschenansammlungen. Hier hatten wir schon früh europäische Maßstäbe und besondere Qualitätskriterien angelegt. Inzwischen – vergleichbar mit Hamsterkäufen beim Toilettenpapier – ist die Nachfrage nach Schutzmasken exorbitant gestiegen. Und damit fliegen auch die Preise über den Markt.

Riesengroße Nachfrage

Schon im Februar 2020 hatte die NZZ über die Knappheit der Schutzmasken auf dem chinesischen Markt berichtet. Nachdem Ende Januar die Bevölkerung angewiesen wurde, ihre Häuser und Wohungen nicht mehr ohne Mundschutz zu verlassen, kam es zu Panikkäufen und damit zu Engpässen. Dem Angebot von 20 Millionen einfacher Gesichtsmasken – soviel waren bei voller Kapazitätsauslastung herstellbar – stand eine tägliche Nachfrage zwischen 60 und 200 Millionen Stück gegenüber. Bei den Masken für chinesische Ärzte und Krankenschwestern (sog. N95-Masken, werden alle vier bis sechs Stunden gewechselt) betrug die tägliche Produktionskapazität 600 000 Stück. Davon brauchte allein die Provinz Hubei pro Tag mehr als 400 000 Masken.

Am 3. Februar bat das Aussenministerium um internationale Hilfe: China brauche dringend medizinische Masken, Schutzanzüge und Schutzbrillen. Zudem bot die Regierung inländischen Herstellern aus andereren Branchen finanzielle Unterstützung, eine Abnahmegarantie und ein beschleunigtes Lizenzierungs-Verfahren an. So produziert seit Ende Februar unter anderen selbst der Elektroauto-Hersteller BYD aus Shenzhen täglich 5 Millionen Masken. Auch Volkswagen ist in seinen chinesischen Werken auf Bitten der deutschen Regierung hier eingestiegen.

Am 10. März hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Krisensitzung zum Corona Virus – Thema u.a. die Beschaffung von OP-/chirurgischen Masken sowie Atemschutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3 – darum gebeten, seinem Haus sehr kurzfristig mögliche Produktionskapazitäten von Firmen zu melden. Der von Minister Spahn für die nächsten 12 Monate angebotene Schutzschirm für Unternehmen, die kurzfristig ihre Produktion umstellen, um Schutz- und OP-Masken zu erstellen, verringert das wirtschaftliche Risiko und sichert Arbeitsplätze und Existenzen im Mittelstand. Hinzu kommt seine weise Vorgabe, dafür auch mittelfristig nachhaltige Kapazitäten im Land aufbauen zu wollen.

In der Pandemie ist Maske nicht gleich Maske

DerStandard stellt heute die drei Arten von Masken vor und bespricht deren Wirksamkeit.

Erstens DIY-Masken

Do it yourself, aus Stoff oder Schals als einfacher Gesichtsschutz im Alltag. Dabei dichtet Stoff nicht gegen Viren ab. “Wer allerdings selbst an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankt ist und sich im öffentlichen Raum bewegen muss, für den kann jeglicher Mundschutz, auch wenn er aus Stoff besteht, sinnvoll sein. Denn damit vermindert man das Risiko für andere, sich anzustecken, heißt es vom Robert-Koch-Institut. Die Barriere hält Tröpfchen zurück, die beim Husten oder Niesen in die Umgebung katapultiert werden.”

Zweitens chirurgische Masken

Chirurgische Masken als klassischer Mund-Nasen-Schutz, der insbesondere bei Operationen verhindert, dass vom Maskenträger Keime auf den Patienten übertragen werden. Die OP-Masken, bestehend aus mehreren Schichten Papier oder Vlies, werden mit Bändern hinter den Ohren oder am Hinterkopf zusammengebunden. Das Material ist ebenfalls zu grobmaschig, um Sars-CoV-2 am Eindringen in den Körper zu hindern. “Laut dem Robert-Koch-Institut gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines solchen Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert. Sich als gesunder Mensch mit einer Maske vor Sars-CoV-2 zu schützen, etwa in der U-Bahn oder beim Einkaufen, davon raten … WHO und das Robert-Koch-Institut … ab. Denn die Masken verleiten dazu, sich in falscher Sicherheit zu wiegen und damit auf andere, sinnvollere Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, sich nicht ins Gesicht zu greifen, Abstand zu halten und die Niesetikette zu vergessen.”

Und drittens FFP-Masken

FFP-Masken (Filtering Face Piece) für medizinisches Personal, die es in den Kategorien 1, 2 und 3 gibt. Solche Masken werden dort eingesetzt, wo Menschen vor Gefahrstoffen in der Luft geschützt werden sollen, neben der Medizin vor allem in der Baubranche.

“FFP1-Masken schützen vor ungiftigen Staubpartikeln wie Zement, Gips oder Pollen. Sie filtern mindestens 80 Prozent der Partikel in der Luft bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern. FFP2-Masken eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe, etwa Granit, Silikon oder Natrium, in der Atemluft befinden. Sie müssen mindestens 94 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer auffangen. FFP-3-Masken filtern mindestens 99,5 Prozent der Teilchen bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern und schützen als einziges Maskenmodell und auch nur dann, wenn die FFP3-Maske gut sitzt, effektiv vor Aerosolen, Viren, Asbest, Bakterien oder Pilzsporen. Sie verhindern also auch, dass Sars-CoV-2 in Nase oder Mund gelangt.”

Dabei ist das Tragen einer FFP3-Maske nicht angenehm, weil sie die Luft extrem filtert und das Atmen sehr beschwerlich wird. “Daher verfügen diese Modelle oft über ein Ausatemventil und können nicht länger als eine Stunde getragen werden. Für Privatpersonen, die sich bei einem Spaziergang im Park oder einem Einkauf damit vor dem Virus schützen wollen, sind sie daher nicht geeignet.” So Bernadette Redl im DerStandard.

Auch das kommt in Zeiten der Pandemie vor

Die NZZ berichtet aktuell, dass sechs Millionen für Deutschland bestellte Schutzmasken auf einem Flughafen in Kenya abhanden gekommen seien. Die Bundeswehr beschafft Masken und weitere medizinische Ausrüstung. “Die Bestellung dieser Masken sei aber nicht von der Bundeswehr, sondern von der Generalzolldirektion abgewickelt worden.”

Wucherpreisen, vorrangig im Netz, war gestern Abend Frontal 21 auf der Spur: “Auf eBay, Amazon & Co. kosten Masken manchmal mehr als das 20-fache des Normalpreises. Wer fordert in der Krise solche Preise? Wir versuchen Anbieter aufzuspüren.” Ein wirklich sehenswerter Beitrag, Länge 35 Minuten.

Atemschutzmasken gehören zur Grundausstattung der Krisenbekämpfung, sind aber überall in Europa Mangelware. Deutschland und Frankreich ringen mit den Folgen, so faz-net vom 20.3.2020. Die Bundesregierung hat eine Genehmigungspflicht für Exporte in Drittstaaten vorgeschrieben und beschlagnahmt teilweise die begehrte Ware – was in Frankreich als Maßnahme erster Wahl allgemein praktiziert wird. Dort ist das Gesundheitspersonal erzürnt über die Mangelwirtschaft. Noch bis 2010 verfügte die Regierung über einen Lagerbestand von einer Milliarde chirurgischer und 600 Millionen FFP2-Masken. “Doch nach der H1N1-Grippewelle von 2011 wurde entschieden, dass man diese Lager nicht mehr brauche und die weltweite Produktion ausreiche” wird Gesundheitsminister Olivier Véran zitiert. Ein mutiges Eingeständnis samt gewonnener Erkenntnis.

Das könnte noch hinzukommen

Nachdem China als weltgrößter Hersteller erst kürzlich sein Exportverbot wieder aufgehoben hat, verbessert sich die Lage. In drei Wochen sollen – laut NZZ vom 23.3.2020 – zudem aus China in der Schweiz zwei Anlagen zur Produktion von Schutzmasken eintreffen, die täglich zusammen 80.000 bis 100.000 Stück herstellen können. Dabei soll es sich um die einzigen Anlagen handeln, die ins Ausland geliefert werden dürfen. Übrigens finanziert von der Eidgenossenschaft und dem Kanton Zürich. Damit hat sich die Schweiz konsequent auf den Weg zur Autarkie begeben.

Im gleichen Atemzug wird über die Tragepflicht von Schutzmasken für Produktionsmitarbeiter räsoniert, welches wiederum einen enormen Nachfrageschub zur Folge hätte. Behörden könnten eine Maskentragpflicht für Werktätige verhängen, die nicht in einer geschützten Umgebung wie dem Home-Office arbeiten. “Davon betroffen sein könnten alle Beschäftigten mit Publikumskontakt wie Kassiererinnen und Kassierer in Supermärkten oder Arbeiter, die auf Baustellen und in Fabriken nicht den nötigen Sicherheitsabstand zueinander wahren können.”

Substanzieller Beitrag zur Krisenbewältigung

In den letzten Wochen haben sich verschiedene Textilfirmen aus der Region Zollernalb auf den Weg gemacht, um dem Mangel abzuhelfen. Ob trigema, mey oder conta – inzwischen gehören einfachere Schutzmasken zum Angebot. An Verbesserungen wird gearbeitet. Von Vorteil ist, dass in der Region nicht nur textiler Sachverstand und Ideenreichtum, sondern auch findige Unternehmer und motivierte Arbeitnehmer vorhanden sind. In überschaubarer räumlicher Entfernung zueinander ergänzen sich vollstufig produzierende Unternehmen und Entwickler von Stoffen und Materialien mit ausgezeichnetem Renommee. Knapp 40 Kilometer entfernt arbeiten zudem im Tübinger Biotech-Startup CureVac Wissenschaftler mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Corona Virus, in einem 32-minütigen Beitrag von ARTE eindrucksvoll beschrieben.

Blick nach Japan und Island

Es gab eine Phase wirtschaftlicher Entwicklung in den 1960er Jahren, in der die Welt gespannt nach Japan blickte. Auch heute zeichnet sich in der Art und Weise, wie die Krise bekämpft wird, der japanische Weg aus. Im DerStandard vom 23.3.2020 wird gemutmaßt, dass die Zahlen viel höher sein müssten. Japan ist sehr dicht besiedelt, hat den weltweit höchsten Seniorenanteil und einen regen Austausch mit China. Aber zwei Monate nach dem Ausbruch weist die Inselnation lediglich zehn Cluster mit 41 Toten und 1012 Infizierten auf – Stand heute: 43 und 1193.

Offensichtlich verringert das Verbeugen als Begrüßungsgeste die Infektionsgefahr. Zudem üben Japaner von Kindheit an elementare Hygieneregeln ein. Daher konnte die Gesellschaft ab Februar leicht in den Antiinfektionsmodus umschalten. Überall stehen Desinfektionsmittel für die Hände, das Tragen von Masken ist Bürgerpflicht. Schon zuvor hat Japan im Jahr 5,5 Milliarden Mundschutzmasken verbraucht, 43 Stück je Einwohner. Neue Ware wurde rationiert verkauft.

Tichys Einblick warf gestern in seinem Corona-Update unter anderem einen Blick nach Island, das sich allein aufgrund der überschaubaren Größe und als Insel sehr gut als Modell-Land eignet. Auch dort hat sich das Tragen von Gesichtsmasken als durchaus sinnvoll erwiesen.

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