NFC – spielerisch leicht zu fremdem Geld

Betrüger und Diebe lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. Entweder wird eine erfolgreiche Masche variiert, wie beim schon seit zwei Jahrzehnten genutzten Enkel-Trick (hier nachzulesen). Oder man nutzt die Gunst der Stunde und springt auf eine technische Neuerung auf, wie sie sich mit der Einführung des sogenannten NFC-Chips seit gut einem Jahr geboten hat. Eine Chance, die dieser „Branche“ regelrecht in den Schoss gefallen ist. „Leichtes Spiel, leichtes Geld“ und, wie man früher zu sagen pflegte, „Kleinvieh macht auch Mist“.

NFC-Technologie mit Betrugsmöglichkeit

Gehts ums Bezahlen hat sich nicht viel geändert

Hegel, Hölderlin und Schelling wohnten 1790 im Tübinger Stift auf der gleichen Stube und wanderten gelegentlich zur Wurmlinger Kapelle, einer kleinen Anhöhe mit wunderbarem Blick zur Schwäbischen Alb. Dabei wurde in der Regel kräftig philosophiert, diskutiert und – wie es sich bis zum heutigen Tage gehört – auch eingekehrt. Von einem ungenannten (und unbekannten) Wirt, der sie schon aus der Distanz wahrgenommen hatte, wurden sie dabei mit dem Verbot allen Politisierens begrüßt. Hölderlin fragte unerschrocken nach, was denn erlaubt sei: „Essen und trinken.“ Und Hegel fragte spitz, wodurch man sich dann noch vom Vieh unterscheide. „Durchs Bezahlen!“, so der schlagfertige Wirt (Nachzulesen bei Jürgen K. Hultenreich, Hölderlin*. Das halbe Leben. Berlin 2018, S. 51). Und genau darum geht es auch bei der NFC, gleich Near Field Communication oder Nahfeld-Kommunikation.

Wie NFC funktioniert – im SWR Marktcheck anschaulich erklärt

Bargeldlos, ja sogar kontaktlos bezahlen durch den Datenaustausch zwischen zwei Geräten, wie Kreditkarte oder Handy mit einem Kassenautomaten. Über eine kurze Distanz von höchtsens vier Zentimetern werden die Daten per Funk blitzschnell übertragen, ein Piepston oder optisches Signal zeigt dies an.

„Die Technologie basiert auf der ‚Radio Frequency Identification (RFID)‘, also der funkwellenbasierten Identifizierung. Während RFID jedoch wie eine Einbahnstraße funktioniert – also nur ein Sender an einen Empfänger funkt – funktioniert der Datenaustausch bei NFC-Geräten in beide Richtungen. Dieses Prinzip macht das kontaktloses Bezahlen überhaupt erst möglich.“ So die Erläuterung im SWR Marktcheck vom 3.9.2019 (siehe hier, vor allem auch das knapp achtminütige Video „Abzocke mit kontaktlosen Zahlfunktionen“).

Die Mitspieler und die Höhe des Einsatzes

Die Anzahl der „Mitspieler“ wächst und wächst und geht in die Millionen. Seit Mitte 2018 wird umgestellt, die meisten Kredit- und Girokarten sind es schon und bis 2020/21 sollen alle das NFC-Zeichen mit den vier stilisierten Funkwellen tragen. Die Ausrüstung der Smartphones mit einer entsprechenden App geht etwas langsamer vonstatten.

NFC Symbol auf EC-Karte

Die Stifung Warentest hat die Entwicklung von Beginn an beobachtet. Und wohl zunächst das Risiko etwas unterschätzt (siehe zum Nachfolgenden den Beitrag vom 24.6.2019). „Sie können jede beliebige Summe bis zu Ihrem Karten­limit kontaktlos begleichen. Beträge über 25 Euro müssen Sie mit der Karten-Pin bestätigen oder mit Ihrer Unter­schrift. Einige Kreditkarten­anbieter bauen zur Sicherheit eine Zufalls­abfrage ein: Spora­disch oder nach einer bestimmten Anzahl von Bezahl­vorgängen wird auch bei Summen unter 25 Euro eine Pin oder Unter­schrift gefordert. Bei einigen Visa-Kreditkarten, wie der von der DKB, liegt diese Grenze bei 50 Euro.“ So die Stiftung Warentest – und nach der Versicherung eines IT-Experten, dass dies sicherer wie das Hantieren mit Bargeld sei: „Wer dennoch unsicher ist, kann seine Karte mit einer speziell beschichteten Hülle schützen. Sie verhindert, dass der Chip unbe­merkt ausgelesen werden kann. Bei Onlinehänd­lern – wie Amazon* (JG) – kann man solche Hüllen für unter 10 Euro bestellen.“

Auf der anderen Seite gibt es – wie der SWR zu berichten weiß – drahtlose Auslesegeräte schon für 25 Euro. Smartphone plus passende Software und die Ausrüstung ist komplett – und natürlich ohne Piepston. Mit der ansteigenden Flut an NFC-Chips rüsten Diebe – den Signalen ihres „Marktes“ entsprechend – in zunehmender Zahl damit auf. Sie können leicht die NFC-Funktion der Karte auslesen und blitzschnell bis zu 25 Euro vom Konto des Opfers abbuchen. „Dafür muss der Dieb nur in die Nähe der Karte kommen“.

Zwei einfache, aber wirksame Schutzmöglichkeiten

Will man sein Geld weiterhin für sich selbst behalten und für seine eigenen Zwecke einsetzen, dann besteht erstens die Möglichkeit, die NFC-Funktion auf der Karte einfach von der Bank abschalten zu lassen/beim Smartphone in den Einstellungen zu deaktivieren (siehe Chip Praxistipp vom 26.6.2019). Zweitens, die bereits von der Stiftung Warentest erwähnten Schutzhüllen für die Karten zu verwenden. Vorsicht vor der offenbar zu optimistischen Annahme, durch eine Vielzahl von Karten mit NFC-Funktion im Geldbeutel würde ein Angriff mit dem Auslesegerät ins Leere laufen. Der Marktcheck des SWR hat ganz klar nachgewiesen, dass diese Schutzmethode nicht funktioniert.

#PreppoKompakt

Bargeld- und kontaktlos zahlen darf nicht dazu führen, dass man sein Geld grundlos los wird. Deshalb grundsätzlich eine Schutzhülle verwenden. Dann zahlt sich diese sicherlich bequeme und nicht zuletzt auch für die Kassiererinnen und Kassierer in diversen Läden angenehme Bezahlweise aus. Unter anderem auch durch kürzere Wartezeiten in der Schlange. Aber nur dann!

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